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Value Co-Creation – Gemeinsam Wert kreieren mit kollaborativen Geschäftsmodellen

Von Erich Bärtsch, März 14, 2023

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Die digitale Entwicklung und Transformation bricht Wertschöpfungsketten auf und bringt einseitige Ertragsmodelle unter Druck. Die Suche nach neuen Ertragsmöglichkeiten führt über eine stärkere Kundenfokussierung und Kundeneinbindung zu Plattform-Geschäftsmodellen und Business Ökosystemen. In diesen Systemen tragen komplementäre Partner, Mitbewerber und Kunden/Nutzer gemeinsam zur Wertsteigerung eines Produktes oder einer Dienstleistung bei.

Wenn alle Akteure Profit aus einem Geschäftsmodell ziehen (monetär oder non-monetär) und gleichzeitig durch ihre Partizipation Wert dazu beisteuern, sprechen wir von Value Co-Creation. Also dem gemeinsamen Wert kreieren oder der gemeinsamen Wertschöpfung. Dieses Modell findet sich typischerweise in Digitalen Plattformen und Business Ökosystemen und ist sehr mächtig, da alle Teilnehmenden gegenseitig voneinander profitieren.

Wie kann die gemeinsame Wertschöpfung erarbeitet werden?

Eine interessante und erprobte Vorgehensweise liefert das Value Co-Creation Tool-Kit (Burkhalter, 2020). Dieses teilt das Vorgehen in fünf Schritte auf:

  1. Gemeinsamer Wertezweck definieren (WARUM machen wir das)
    Der erste und wichtigste Punkt definiert den gemeinsamen Wertezweck, an dem sich alle Akteure orientieren. Es ist die Grundlage und die Essenz, auf die sich alle Handlungen ausrichten.
  2. Beschreiben der Teilnehmer und ihrer Rollen (WER macht das)
    Im zweiten Schritt werden alle Teilnehmer des Ökosystems eruiert und ihre Rollen beschrieben. Die Rollen in Ökosystemen sind dabei gegeben und teilen sich auf in Nutzer, Anbieter, Orchestrator und Kontributoren. Sie alle stehen in gegenseitigen Abhängigkeiten.
  3. Definieren des Leistungsversprechens (WAS ist die Leistung)
    In diesem Teil wird das Leistungsversprechen zwischen den einzelnen Akteuren beschrieben. Was bietet beispielsweise der Anbieter dem Nutzer und umgekehrt.
  4. Definieren der Wertschöpfungsaktivitäten (WIE machen wir das)
    Hier werden die Aktivitäten und Messeinheiten definiert, mit denen das vorher beschriebene Leistungsversprechen erreicht wird. Auch hier gilt wieder, dass die Aktivitäten gegenseitig wertsteigernd für die Akteure sind.
  5. Den gegenseitigen Profit der einzelnen Akteure definieren (Welchen WERT erhalten und generieren wir).

Im letzten Punkt wird der konkrete Wert (die gegenseitigen Profite) benannt, den die Akteure durch ihre Aktivitäten erlangen. Der Profit kann sowohl monetär als auch non-monetär sein.

Mit der Erarbeitung dieser fünf Punkte wird das kollaborative Geschäftsmodell greifbar. So ist eine wichtige Grundlage gegeben, damit alle Involvierten das gleiche Verständnis des Geschäftsmodells haben und den gleichen gemeinsamen Wertezweck bedienen.

Geschäftsmodell

Quelle: In Anlehnung an Flipboard Charts aus dem Ecosystem Design Bootcamp mit Marc Burkhalter vom 10.09.2022

Value Co-Creation ist weit mehr als eine Methode zur Geschäftsmodellierung

Value Co-Creation als Denkmodell kann auch in anderen Gebieten als der Geschäftsmodellierung eine grosse Bereicherung sein. Das Vorgehen und die Denkweise dieser Methode lässt sich auch gut für andere Aufgaben anwenden. Oder zumindest als Gedanke mitnehmen. Ist es nicht grundsätzlich von Vorteil, wenn bei jeder Art von kollaborativer Arbeit ein gemeinsamer Wertezweck als Basis vorhanden ist? Und alle Akteure gegenseitig voneinander profitieren und sich dessen auch bewusst sind? So könnten beispielsweise für jede Zusammenarbeit die folgenden Fragen beantwortet werden:

  1. Arbeiten wir auf den selben Wertezweck hin? (WARUM)
  2. Sind allen Teilnehmern ihre Rollen klar? (WER)
  3. Sehen alle Teilnehmer den gegenseitigen Nutzen? (WAS)
  4. Verstehen alle Beteiligten, mit welchen Aktivitäten der gegenseitige Nutzen erreicht wird? (WIE)
  5. Ist allen Teilnehmern klar, welchen Profit sie erhalten? (WERT)

Ich nehme das Modell der Value Co-Creation auch ausserhalb der Geschäftsmodellierung in meinen Arbeitsalltag mit.

 

Quellen:

Burkhalter, M. (2020). Allocentric Business Models – An Allocentric Business Model Ontology for the Orchestration of Value Co-Creation Using the Example of Financial Service Ecosystems (Dissertation no. 4940) [Dissertation]. e-Helvetica. https://www.e-helvetica.nb.admin.ch/api/download/urn%3Anbn%3Ach%3Abel-1496943%3ADis4940.pdf/Dis4940.pdf

 

Dieser Fachbeitrag wurde im Rahmen eines Leistungsnachweises für das CAS Platforms & Ecosystems verfasst und wurde redaktionell aufgearbeitet.

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