Institute for Digital Business

Wert(e) schaffen durch Digitalisierung

Von Annette Ebner, Juni 6, 2024

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Die digitale Transformation betrifft alle Ebenen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, da ist es nur folgerichtig, dass Unternehmen sich fragen, wie sie durch digitale Prozesse ihr Unternehmen ausbauen, erneuern oder mit neuen Geschäftsmodellen ergänzen können. Das Verständnis für die Chancen, Dynamiken und Herausforderungen der digitalen Wertschöpfung erscheint zunehmend wichtig, um digitale wie traditionelle Ressourcen im Unternehmen sinnvoll und gewinnbringend im Sinne eines gut funktionierenden unternehmerischen Ökosystems zusammenzubringen. Die Digitalisierung bietet Möglichkeiten, von digitalen Inhalten zu profitieren, neue Werte zu schaffen und durch veränderte oder neue Geschäftsmodelle auch neue Umsätze zu generieren.

Die Grundlagen der digitalen Wertschöpfung

Die digitale Wertschöpfung beschreibt den Prozess, bei dem Unternehmen digitale Technologien und Strategien nutzen, um Effizienzsteigerungen zu erzielen, neue Märkte zu erschliessen und Vertriebskanäle zu nutzen oder sich auch mit einem neuen digitalen Geschäftsmodell komplett neu zu erfinden – von der kleinen Veränderung oder Integration bis zur gesamten Transformation ist alles möglich.

Im Grundsatz geht es darum, wie Organisationen Daten, Technologie und menschliches Know-how kombinieren, um einen Mehrwert zu schaffen. Dieser Mehrwert erstreckt sich im besten Fall über die gesamte Wertschöpfungskette im Unternehmen – von der Produktion über den Vertrieb bis hin zur Interaktion mit den Kund:innen.

Daten als Rohstoff – Digitalisierung als Produktionsmöglichkeit

Die intelligente Nutzung von Daten bietet in einer Welt, die von vernetzten Geräten, sozialen Medien und fortgeschrittenen Analysen geprägt ist, die Möglichkeit für ein tieferes Kund:innen-Verständnis, was als «Schlüsselfaktor» für die Entwicklung neuer Geschäftsmöglichkeiten zu verstehen ist. Je besser ich die Bedürfnisse und Probleme meiner Zielgruppe verstehe, desto genauer kann ich mein Geschäftsmodell auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse abstimmen und kompakte Lösungen anbieten. Um es mit den Worten der Arbeitswelt 1.0 (Industrialisierung) zu beschreiben: Daten bieten den Rohstoff, die Digitalisierung bietet das digitale Handwerk, um das nachgefragte Produkt, die Dienstleitung oder notwendige Erkenntnisse herzustellen. Das Endprodukt von KI, maschinellem Lernen und fortschrittlicher Analytik sind Automatisierungen von Prozessen, intelligente Entscheidungsfindungen und personalisierte Erfahrungen.

Das digitale Ökosystem

Ein zentraler Aspekt der digitalen Wertschöpfung und zeitgemässer Geschäftsmodelle ist das Konzept sogenannter Geschäfts-Ökosysteme. Hier arbeiten Unternehmen nicht isoliert, sondern in vernetzten Gemeinschaften zusammen. Plattformen, Apps und Cloud-Services dienen als Grundlage für Kollaboration, ermöglichen den Austausch von Ressourcen und Ideen und fördern die Innovation. Das Hauptziel eines solchen Geschäfts-Ökosystems ist es, Werte für alle Mitglieder zu schaffen. Durch die Zusammenarbeit können Unternehmen ihre Effizienz steigern, Kosten senken und innovative Lösungen entwickeln, die für den gesamten Markt von Vorteil sind.

Beispielhaft zeigt hier das Ökosystem der Firma Amazon, wie viele verschiedene Geschäftsmodelle versuchten, eine engmaschige und sinnhafte Wertschöpfungskette für das Unternehmen herzustellen und zu kontrollieren. Es wird die Möglichkeit für Interaktion, Kooperation, Synergien- und Ressourcennutzung geschaffen – also die Nutzung und Kontrolle einer kompletten Wertschöpfungskette, um möglichst viel durchgängigen Mehrwert zu generieren.

Herausforderungen und Reflexion

Natürlich bringt die digitale Wertschöpfung auch ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Ich möchte hier nur einige, die ich als besonders wichtig einschätze, nennen:

Der Datenschutz ist ein grosses Thema, der Regelungsbedarf ist hier zum Schutz der Konsument:innen gross und absolut notwendig. Das Schliessen dieser momentan noch nahezu rechtsfreien Räume darf in einem digitalen und globalen Wirtschaftsraum wohl als komplexes und herausforderndes Projekt bezeichnet werden, bei dem am «Verhandlungstisch» viele unterschiedlich machtvolle Interessensgruppen sitzen.

Und wieder einmal ist der Faktor Mensch beziehungsweise Arbeitskraft ein weiteres, grosses Thema, welches nach meiner Einschätzung sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet. Digitale Wertschöpfung wird in einem Unternehmen erst möglich, wenn die kulturelle Verschiebung, die die digitale Transformation der Arbeits- und Lebenswelt mit sich bringt, von den Mitarbeitenden in einem Unternehmen integriert wird. Hier müssen Menschen offen für Veränderungen sein, sich neuen Technologien anpassen und bereit sein, traditionelle Arbeitsweisen zu überdenken. Der Widerstand gegen diese kulturellen Veränderungen kann den Erfolg der digitalen Wertschöpfungskette erheblich beeinträchtigen. Nicht unbeachtet bleiben aus meiner Perspektive, sollte hier auch die Tatsache, dass ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Bereichen wie Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und Cybersecurity besteht. Das bedeutet, dass Unternehmen auch einfach gezwungen sind, in Schulungsprogramme zu investieren, um ihre bestehenden Mitarbeitenden auf die neuen Anforderungen vorzubereiten und zu halten.

Nicht zuletzt erfordert die Einführung digitaler Technologien die Integration komplexer Prozesse. Legacy-Systeme müssen mit neuen Softwarelösungen harmonisiert werden, um reibungslose Abläufe sicherzustellen. Die Komplexität der Technologieintegration kann zu Verzögerungen, Kostenüberschreitungen und möglicherweise zu Betriebsstörungen führen. Kurz gesagt:

Integrationsprozesse kosten Zeit und Geld.

Etwas unterbewertet oder wenig beachtet wird aus meiner Perspektive noch die Macht der Kund:innen, deren Konsumverhalten multifaktoriell auf gesellschaftlicher Ebene beeinflusst wird. Neu entstandene Diskurse zur Wirtschaftssystemkritik, zur Konsumkritik und zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Lebensführung – um hier nur einige zu nennen – beeinflussen das Wertekonzept, und führen zu mehr Reflexion und kritischer Hinterfragung des eigenen und des globalen Konsumverhaltens.

Im Moment gilt aber wohl noch Folgendes:

Das «Gold» eines jeden Wirtschaftens ist das Problem oder Bedürfnis einer konsumbereiten und konsumfähigen Menschheit.

Das Suchen/Finden oder Herstellen von Problemen, das Erkennen von Bedürfnissen und Erwartungen der Konsument:innen – also das dazugehörige «Goldgräberhandwerk» – hat sich durch die Digitalisierung verändert.

Die digitale Wertschöpfung kann als treibende Kraft für eine neue Ära des Wirtschaftens und Arbeitens bezeichnet werden. Somit haben Unternehmen realistisch betrachtet keine Wahl, ob sie die mit einer digitalen Wertschöpfung verbundenen Herausforderungen angehen möchten oder nicht. Folglich ist eine Integration digitaler Wertschöpfung nicht als Möglichkeit zu verstehen, sondern als existenzielle Notwendigkeit, um in einer digitalisierten Umwelt und einem ebensolchen Markt bestehen zu können und wettbewerbsfähig zu sein. Unternehmen tun gut daran, sich mit passgenauen Ökosystem-Strategien den Herausforderungen der digitalen Wertschöpfung nicht nur zu stellen, sondern aktiv mitzugestalten.

 

Dieser Fachbeitrag wurde für das CAS Digital Women Leading HWZ verfasst und wurde redaktionell aufgearbeitet.

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