[ˈʃɪtstɔːm], Tsunami im Netz

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Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management schreibt Guy Schicker:

 

Heute lernen wir bei Daniel Graf (Feinheit), wie wir einen Shitstorm lostreten, eine Kampagne nach dem Prinzip des Billardspiels starten und den Schmetterlingseffekt richtig ausnutzen können.

Spätestens seit Shitstorm zum Wort des Jahres 2012 gewählt wurde, dürfte jeder wissen, was das etwa ist. Sogar den Weg in den Duden hat der Begriff gefunden: [ˈʃɪtstɔːm] ist ein Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht.

Doch Sasha Lobo, Erfinder des Wortes warnt vor einem irreführenden Begriffsverständnis. Er glaubt, dass der Begriff Shitstorm hochproblematisch ist, „weil er jede Kritik sofort als fäkalen Sturm darstellt, als sinnlose beleidigende Empörung. Das ist nicht nur für die Leute, die empört sind, schlecht, sondern über kurz oder lang auch für den Adressaten dieser Empörungswelle – denn, wann immer ich so tue, als sei Kritik nicht so substanziell, sondern beleidigend, nehme ich mir selbst die Chance daraus zu lernen.“ Dazu empfehle ich auch die kurze Reportage von ZDF „Netz-Ka(c)kofonie“ gerne weiter.

Daniel beleuchtet uns den Begriff von einer anderen Seite. Als leidenschaftlicher Campaigner liefert er uns zu Beginn seine Definition von Shitstorm: „Kollektive Aktion auf Social Media, um öffentlichen Druck zu erzeugen.“

Bevor wir in Gruppen, anhand eines aktuellen Cases, Shitstorm Archäologie betreiben, beschreibt er, welche die benötigten Komponenten für einen organisierten Shitstorm sind:

  • Jeder kann einen Shitstorm starten. Wie die Theorie des Schmetterlingseffekts besagt, genügt der Flügelschlag eines einzigen Users.
  • Gerade professionelle NGOs können ein Thema aufgreifen und im Prinzip des Billardspiels öffentlichkeitswirksame Kampagnen starten.
  • Die Rakete ist, sobald die Massenmedien das Thema aufgreifen, gezündet. Erst die Massenkommunikation trägt das Thema in die breite Öffentlichkeit.

Gut ausgerüstet machen wir uns also auf, um den Angriff von Greenpeace auf die Migros zu analysieren. Greenpeace versucht mit ihrer Kampagne „Migros-Mode immer noch ein M giftiger“ die aktuelle Werbeaktion „Generation M“ anzugreifen.

Unser Fazit: Man muss sich warm anziehen und gut vorbereiten, wenn man einen Sympathieträger angreift. Will man auf den Brandbeschleuniger Social Media setzen, dann soll die Kampagne auch wie eine Social-Media-Kampagne geplant werden. Das heisst, Emotionen wecken und soziale Währung bereitstellen, die gerne geteilt werden.

Natürlich wollen wir auch wissen, wie ein Shitstorm verhindert werden kann. Zuerst die schlechte Nachricht: „Man kann einen Shitstorm nicht verhindern. Er ist wie ein Tsunami im Netz.“

Tsunamis, die zunächst unterseeische Beben auslösen, bemerkt man auch lange nicht. Und die Wucht danach ist gross. Kaum eine Schutzmauer würde den Tsunami aufhalten. Ähnlich in der Zeit des wütenden Shitstorms; im Moment der Empörungswelle kann man wenig tun. Die Frage ist, wie man damit umgeht, respektive wie gut man vorbereitet ist.

Deshalb die gute Nachricht: „Ein Shitstorm geht wie jeder Sturm vorbei.“ Daniel hat letztes Jahr eine Shitstorm-Skala vorgestellt, die quasi als „Wetterbericht für Social Media“ angibt, wie schlimm der Wellengang wirklich ist (siehe Bild).

 

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Mein Rat: Aufräumen und sauber bleiben, bevor die nächste Welle den ganzen Dreck aus den Kellern hochschwemmt. Wenn sich das Wasser nach der Welle wieder zurückzieht, wird das Ausmass des Schadens erst klar. Je sauberer ein Unternehmen ist, desto weniger gibt es aufzuräumen.